KarateGeschichteKaratedō (japanisch = Weg der Leeren Hand) wurde früher meist nur alsKarate bezeichnet und ist unter dieser Bezeichnung noch heute am häufigsten geführt. Der Zusatz dō wird verwendet, um den philosophischen Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung als Lebensweg zu unterstreichen. Im Deutschen ist bei der Aussprachedes Wortes Kara-te eine Betonung der zweiten Silbe verbreitet. Oftwird sogar wie in mehreren romanischen Sprachen, zum Beispiel im Französischen oder Portugiesischen, auf te betont. Nach der japanischen Aussprache des Wortes dagegen ist eine gleichwertige Akzentuierung jeder Silbe üblich.Die Legende erzählt, dass der buddhistische Mönch Daruma Taishi (Bodhidharma) aus Kanchipuram (Südindien) im 6. Jahrhundert das Kloster Shaolin (jap. Shōrinji) erreicht und dort nicht nur den Ch'an (Zen)-Buddhismus begründet, sondern die Mönche auch in körperlichen Übungen unterwiesen habe, damit sie das lange Meditieren aushalten konnten. So sei das Shaolin-Kungfu entstanden, aus dem sich dann viele andere chinesische Kampfkunststile entwickelt hätten. Da Karate um seine chinesischen Wurzeln weiß, betrachtet es sich ebenfalls gerne als Nachfahren jener Tradition, deren Geschichte unter Historikern umstritten ist. Nichtsdestoweniger ziert das Bildnis von Daruma somanches Dōjō.KleidungJeder Karateka trägt ein Karate-Gi, bestehend aus einer einfachen an der Hüfte geschnürten weißen Hose, früher bestehend aus Leinen, heute aus Baumwolle und einer Jacke, Uwagigenannt, aus dem gleichen Material. Gehalten wird die Jacke (meist neben einer leichten Schnürung) durch einen gefärbten Gürtel, dem Obi. Die Einführung einheitlicher Kleidung und eines Graduierungssystems ist nur im sozio-historischen Kontext zu verstehen. Nach der Meiji-Restauration, der Auflösung des Samurai-Standes und der Einführung von Faustfeuerwaffen war die Bedeutung der traditionellen Kriegskünste zurückgegangen. Mit dem aufkeimenden japanischen Nationalismus gewannen die klassischen Kampfkünste wieder an Bedeutung, die am Verlauf der japanischen Geschichte einen entscheidenden Anteil hatten. Man sah die Kampfkünste als Bestandteil der kulturellen und nationalen Identität an. Die Kampfkünste erhielten den Stempel der nationalistischen Politik jener Zeit. Die Kampfkünste durchliefen eine Militarisierung westlicher Prägung. Aus diesem Blickwinkel sind die einheitliche Kleidung als Uniform, und das Graduierungssystem nach Gürtelfarben als Hierarchie nach militärischen Dienstgraden zu verstehen. GürtelgradeSchülergrade (Kyu-Grade) 9. Kyu - Weißgurt (Anfänger) 8. Kyu - Gelbgurt (Erwerb durch Prüfung) 7. Kyu - Orangegurt (Erwerb durch Prüfung) 6. Kyu - Grüngurt (Erwerb durch Prüfung) 5. Kyu - Blaugurt (Erwerb durch Prüfung) 4. Kyu - Violettgurt (Erwerb durch Prüfung) 3. Kyu - Braungurt (Erwerb durch Prüfung) 2. Kyu - Braungurt (Erwerb durch Prüfung) 1. Kyu - Braungurt (Erwerb durch Prüfung) Meistergrade (Dan-Grade) 1. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 2. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 3. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 4. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 5. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 6. Dan - Schwarzgurt (Verleihung durch DKV-Graduierungs-Kommission) 7. Dan - Schwarzgurt (Verleihung durch DKV-Graduierungs-Kommission) 8. Dan - Schwarzgurt (Verleihung durch DKV-Graduierungs-Kommission) 9. Dan - Schwarzgurt (Verleihung durch DKV-Graduierungs-Kommission) 10. Dan - Schwarzgurt (Verleihung durch DKV-Graduierungs-Kommission)Karate - eine moderne und wirksame SelbstverteidigungViele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate-Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen. Deshalb vermitteln spezielle Lehrgänge neben technischen Fertigkeiten auch die psychologischen Komponenten der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Diese Aspekte machen Karate-Selbstverteidigung insbesondere für Frauen und Mädchen interessant. Karate - ein Sport für uns alle.Ob Ausgleichssport, allgemeine Fitness oder Selbstverteidigung, Karate eröffnet allen Altersgruppen und Interessenlagen ein breites sportliches Betätigungsfeld. Karate ist nicht nur spannend für alt und jung. Durch die Vielseitigkeit fördert Karate Gesundheit und Wohlbefinden. Auch deshalb haben sich viele junge und ältere Menschen für diesen Sport entschieden.Karate - Wettkampf und Tradition.Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampfdisziplinen unterschieden: Beim "Kumite" (Freikampf) stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen, Stoß-, Schlag- und Tritttechniken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Kampfpartner ausgeschlossen sind: wer sich nicht daran hält, wird disqualifiziert! Die Disziplin "Kata" ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken gegen mehrere imaginäre Gegner, die sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Man unterscheidet rund 50 verschiedene Katas, deren Ästhetik im Einklang von Kampfgeist, Dynamik und Rhythmik liegen. Manche Kata wurde über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben und ist Zeuge der Tradition des Karate.