Ju-JutsuGeschichte"Ju" bedeutet nachgeben oder ausweichen"Jutsu" bedeutet Kunst oder Kunstgriff Demnach ist Ju-Jutsu die Kunst des Ausweichens. Dies wird auch in der Geschichte dieser Sportart klar:Bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es eine Kampfsportart mit einem ähnliches Namen, das Jiu-Jitsu. Diese fristete ein Schattendasein neben den anderen Kampfsportarten Judo, Karate und Aikido. Das Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführte Jiu-Jitsu und insbesondere die fast nur auf Wettkampfsport ausgelegten Kampfsportarten Judo und Karate waren in den 60er Jahren für die Selbstverteidigung nicht mehr zeitgemäß. Es war dringend erforderlich, etwas Neues, vor allem aber Wirkungsvolleres zu schaffen. Hochgraduierte Dan-Träger erhielten den Auftrag, eine moderne und effektive Selbstverteidigung zu erarbeiten.1969 wurde das neue Ju-Jutsu dann in Deutschland eingeführt. Es geht nicht mehr vom Angriff aus, sondern primär von den Verteidigungstechniken. Alle Verteidigungstechniken sind gegen mehrere Angriffsarten anwendbar. Im Ju-Jutsu sind altbewärte Erkenntnisse vieler Kampfsportarten, aber auch neue Erkenntnisse nach dem Grundsatz „aus der Praxis für die Praxis“ zu einer modernen und sehr effektiven Selbstverteidigung zusammengeführt worden. Weil auch die Sicherheitsbehörden erkannt hatten, dass Ju-Jutsu sehr praxisnah und wirkungsvoll war, wurde es bei den Polizeien der Länder und des Bundes dienstliches Ausbildungsfach.Um die Ziele des Ju-Jutsu besser vertreten zu können, gründete sich 1990der Deutsche Ju-Jutsu Verband e.V., kurz DJJV.Die Kenntnisse von verschiedenen Zweikampfsystemen haben sich in den vergangenen Jahren stark erweitert. Unter der Leitung von Bernd Hillebrand hat eine Kommission im Jahr 2000 eine Überarbeitung des Ju-Jutsu eingeführt. Nach der Prämisse: „Immer das Beste aus den bekannten Kampfsystemen zu adaptieren,“ kamen nun auch Einflüsse aus nicht-japanischen Kampfsportarten zum Ju-Jutsu hinzu und wurden in ein methodisch strukturiertes System eingepasst.FormenJu-Jutsu bietet verschiedene Bereiche, so dass eine Fülle von Menschen sich unterschiedlichdamit beschäftigen können:Wettkampf (Fighting):Im „Fighting-System“ kämpfen zwei Kontrahenten in ihrer gemeinsamen Alters- und Gewichtsklasse, ausgestattet mit Hand-, Fuß- und Tiefschutz, gegeneinander. Dies ist ein sportlicher „Mixed Material Arts“ Wettkampf. Dabei dürfen im Leichtkontakt Schläge, Tritte und Stöße sowie Hebel-, Wurf-, Festlege- und Würgetechniken angewendet werden. Der Sportler muss in relativ kurzer Zeit (max. 3 Minuten) seinen Gegner nach Punkten besiegen oder zur Aufgabe zwingen. Dabei schließt das Regelwerk ernsthafte Verletzungen des Gegners weitestgehend aus.Duo:Das „Duo-System“ ist eine weitere Disziplin des JJ-Wettkampfes. In dieser technischen Disziplin wird Paarweise gegeneinander gekämpft. Die beiden Paare trainieren hochwertige Abwehrkombinationen gegen vorgegebene Angriffe, die dann im Vergleichskampf mit anderen Paaren zur Ermittlung des Siegerteams führen. Ein Paar besteht entweder aus 2 Männern, 2 Frauen oder einem Mann und einer Frau (mixed).Die Angriffe werden in vier Gruppen mit jeweils fünf Angriffen gegliedert. Der Verteidigerkann seine Verteidigungstechniken vollkommen frei wählen.Formenwettkampf:Eine weitere, jedoch rein deutsche Art des Technikvergleichs ist der "Formenwettkampf". Hier gilt es, die beste Ju-Jutsu-Demonstration (Show) zu prämieren.Die Teams, die aus zwei bis fünf Teilnehmern bestehen, studieren eine selbst erdachte Vorführung von drei bis sechs Minuten Dauer - mit oder ohne Musik bzw. Lichteffekten - ein, in der das Ju-Jutsu optimal dargestellt werden soll.Bo:Da Ju-Jutsu auch Elemente aus dem Bo-Jutsu enthält gibt es hier auch zum Teil die Möglichkeit sich im Umgang mit einem Bo („Kampfstock“) zu üben.Frauen-SV:Da Ju-Jutsu als effektive und realistische Selbstverteidigung entwickelt wurde, bietet Ju-Jutsu gezielt die Möglichkeit als SV-Technik für Frauen eingesetzt zu werden. Polizei:Auch die Polizei in Deutschland verwendet Ju-Jutsu zur Selbstverteidigung und trainiert dies in Polizeisportvereinen.GürtelgradeSchülergrade (Kyu-Grade) 6. Kyu - Weißgurt (Anfänger) 5. Kyu - Gelbgurt (Erwerb durch Prüfung) 4. Kyu - Orangegurt (Erwerb durch Prüfung) 3. Kyu - Grüngurt (Erwerb durch Prüfung) 2. Kyu - Blaugurt (Erwerb durch Prüfung) 1. Kyu - Braungurt (Erwerb durch Prüfung) Meistergrade (Dan-Grade) 1. Dan - Schwarzgurt (Erwerb nur durch Prüfung) 2. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 3. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 4. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 5. Dan - Schwarzgurt (Erwerb durch Prüfung) 6. Dan - Rot-Weiß-Gurt (Verleihung durch DJJV-Graduierungs-Kommission) 7. Dan - Rot-Weiß-Gurt (Verleihung durch DJJV-Graduierungs-Kommission) 8. Dan - Rot-Weiß-Gurt (Verleihung durch DJJV-Graduierungs-Kommission) 9. Dan - Rotgurt (Verleihung durch DJJV-Graduierungs-Kommission) 10. Dan - Rotgurt (Verleihung durch DJJV-Graduierungs-Kommission) Ju-Jutsu in der PraxisJu-Jutsu war bis vor einigen Jahren als Dienstpflichtfach Ausbildungsinhalt aller deutschenPolizeien, der Justiz (Strafvollzug) sowie des Zolls. Mit Ausnahme des Strafvollzuges NRW wird Ju-Jutsu auch noch heute bei allen anderen deutschen Sicherheitsbehörden praktiziert, allerdings nicht als "reines" Ju-Jutsu, sondern als sogenannte "waffenlose Selbstverteidigung". Hierbei fallen eher "sportliche" Elemente weg und andere praxisgerechtere (aber "unsportlichere") Techniken sind hinzugekommen. Ein Beispiel hierfür ist etwa das "Fangen" eines Schlages, das zwar eine schöne sportliche Übung ist, aber in der Praxis nicht funktionieren würde. Duo- oder Formenwettkampf und deren spezielle Techniken haben natürlich in der Praxis keine Platz. Ju-Jutsu hat in diesen Bereichen des öffentlichen Dienstes vor allem deswegen eine hohe Verbreitung, weil es durch sein offenes Konzept viele Techniken aus anderen Systemen beinhaltet. Durch Erfahrungen aus der Praxis (vorwiegend aus dem Polizei- und Strafvollzugsalltag) wurde Ju-Jutsu mehrmals überarbeitet und bietet ein System, mit der eine jederzeit angepasste Selbstverteidigung möglich sein soll. In nahezu allen Vereinen sind dem zu Folge entsprechende Amtsträger zu finden. Der deutsche Ju-Jutsu Verband veranstaltet regelmäßig Lehrgänge und Seminare für Angehörige dieser Berufsgruppen.